Wissenschaft
How to
Wir haben Lehrkräfte gefragt, was sie im Alltag bewegt und welche Themen oder Menschen sie beschäftigen - unabhängig von Fach oder Schulart. Wir haben zahlreiche spannende und emotionale Einsendungen erhalten und ausgewertet. Auf Basis der Ergebnisse haben wir Fallbeispiele konstruiert, welche wir mit Theorie und Empirie genauer beleuchten und haben diese dann wiederum durch praktizierende Lehrkräfte evaluiert. In den Beiträgen treffen sich also fundierte Theorie aus der Wissenschaft und erprobte Praxis aus dem Schulalltag. Es ist ein Kreislauf aus Praxis, Wissenschaft und zurück, der es ermöglicht theoretisch empirisches Wissen aus der Wissenschaft in die Schulen und das Realitätswissen der Praxis wieder an die universitäre Ausbildung zurück zu transferieren - eine Theorie-Praxis-Verzahnung, welche für psychologische Themen bisher schwer möglich ist.
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Ziel unserer Beiträge ist es jedoch keinesfalls den Praktikern ihre Arbeit mit noch mehr Theorie zu erklären und besserwisserisch Handlungsempfehlungen zu geben. Nein, es geht darum Lehrkräften, Pädagog*innen und Psycholog*innen einen Fahrplan an die Hand zu geben, der es ihnen ermöglicht ihre individuellen Themen aus dem Alltag aus neuen Blickwinkeln zu sehen. Wir zeigen Hinweise und Ideen auf wie ein Praktiker in herausfordernden psychologischen Situationen wieder an Stabilität gewinnt: einen Fahrplan zum Beobachten, Informationen sammmeln, Zusammenhänge herstellen, Situation verstehen und dann handeln und Lösungen finden. Wir zeigen also eine fundierte Vorgehensweise auf, mit der Praktiker*innen in psychologischen Situationen lernen mit Selbstsicherheit und Empathie umzugehen und Lösungen zu finden.
Lisa spricht nicht mehr
Eine Lehrerin berichtet von einem Mädchen aus der Sekundarstufe I. Lisa. Das auffällige an Lisa: Lisa spricht nicht mehr. Nicht nur bei ihr, sondern in vielen Fächern schweigt sie gegenüber der Lehrkräfte. Alle sind ratlos und frustriert und wissen nicht wie sie vorgehen sollen oder wie es weitergehen kann. Alltägliche Fragen werden nicht beantwortet, die Mitarbeit und jegliche Kommunikation verweigert. Die Lehrkraft aus unserer Studie fragt sich wie sie das Mädchen benoten soll, wie sie mit ihr interagieren kann oder ihr irgendwie helfen.
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Die nahe liegende Frage ist also: warum spricht Lisa nicht mehr? Was hat sie zum Schweigen bewogen? Und natürlich auch, was können die Lehrkräfte tun, um zu helfen und wieder eine intakte Kommunikation herzustellen?
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Unser Vorgehen
Natürlich möchte Lisas Umfeld wissen was die Ursache für das Schweigen von Lisa ist und was hinter ihrem Verhalten steckt, um ihr zu helfen und selbst zu wissen wie man mit ihr umgehen soll. Daher beleuchten wir beispielhaft Lisas Person mit Hilfe der inneren und äußeren Kräfte des menschlichen Verhaltens, welche wir in der Rubrik Wissen genauer beschreiben. Es gibt hierbei aber keine einzige richtige Lösung, die alles umfassend erklärt, sondern es werden mögliche Ursachen beleuchtet:
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Welche Bedürfnisse liegen dem Verhalten zugrunde?
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Welche Emotionen und Motive könnten die Ursache sein?
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Welche rationalen Ziele stecken hinter dem Verhalten?
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Wie sieht das Selbstbild aus und welche Rolle spielt es?
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Welche sozialen oder kulturellen Hintergründe beeinflussen das Verhalten?


